Schadenfälle an Natursteinen

Mehrere Jahre nach der Neugestaltung und Renovierung des Altarbereiches einer in den 1950iger Jahren erbauten Kirche in Ravensburg trat eine massive Schädigung der Bodenplatten aus sog. „Juramarmor“ auf. Das Schadensbild zeigte bis zu 5 mm tiefe kuhlen- und kraterartigen Vertiefungen, in denen der Kalkstein abplatzte und feinkörnig bis mehlig zerfiel. Die Beschädigungen fanden sich überwiegend an den Plattenoberflächen, untergeordnet auch an Plattenrändern bzw. Fugenrändern.

Für den sog. „Juramarmor“ ist bekannt, dass bei Staunässe die Gefahr von Abplatzungen und Plattenrissen besteht. Verantwortlich ist hierbei u.a. die Bildung von Gips im Schadensbereich, wenn Sulfat-haltige wässrige Lösungen mit dem Calcit des Kalksteins reagieren können. Da Gips im Vergleich zu Calcit in etwa das doppelte Volumen besitzt, dehnt sich das Material im Schadensfall aus, an der Plattenoberfläche nach oben.

In den Schadstellen der geschädigten Platten konnte Gips eindeutig mikroskopisch identifiziert werden. Ursache des Schadstoffeintrages ist in vielen Fällen der Verlegemörtel, von dem aus die schadstoffhaltigen Wässer durch intergranulare Infiltration bis an die Oberfläche gelangen, wo dann im Verdunstungsbereich Gips und andere Salze ausgefällt werden können.

Im vorliegenden Fall war die Schadensbildung komplizierter, da von den Schäden nur solche Platten betroffen waren, die noch aus der Zeit vor der Renovierung der Kirche stammen, also beim Bau der Kirche erstmals verlegt wurden. Die detaillierte petrographische Untersuchung zeigte, dass zwar ein Stoffeintrag durch intergranulare Infiltration von der Unterseite der Platte her erfolgt war, doch erreichte diese Infiltration in keinem der untersuchten Schnitte die Schadensbereiche. Vielmehr belegten Aufbau und Strukturen der Schadstellen einen Wassereintrag von der Oberfläche her als Ursache der Schädigungen. Dieses Schadensereignis muss vor der Renovierung eingetreten sein und ließ sich nicht mehr identifizieren. Es ist davon auszugehen, dass durch die Neuverlegung eine Verstärkung und damit ein Sichtbarwerden der so angelegten Schadensbildung vonstatten ging.




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