Herkunftsbestimmung von Naturwerksteinen

Für repräsentative Bodenplatten im Eingangsbereich eines Bankgebäudes in Frankfurt wurde der Naturwerkstein „Brown Antique“ aus Angola ausgewählt. Um Kinderarbeit bei der Gewinnung des Materials sicher ausschließen zu können, wurde ein petrographischer Vergleich zwischen den bereits gelieferten Natursteinplatten und Vergleichsmaterial aus dem vom Lieferanten angegebenen Herkunfts-Steinbruch in Auftrag gegeben.

Das Vergleichsmaterial wurde von einem international tätigen Zertifizierungs-Unternehmen direkt im fraglichen Steinbruch bei Chibemba/SW-Angola entnommen. Es handelt sich dabei um einen Anorthosit, d.h. um ein magmatisches Tiefengestein, welches vor allem aus dem Feldspat Plagioklas besteht.

Die besondere Herausforderung bei dieser Aufgabe bestand darin, dass das abgebaute Gestein Teil des sog. Kunene-Komplexes ist, einem der weltweit größten Vorkommen von Anorthositen mit einem Areal von 15.000-18.000 qkm und einer N-S-Erstreckung von ca. 300 km. Die Gesteinszusammensetzung in diesem riesigen Gebiet ist außerordentlich einheitlich und variiert sowohl in der stofflichen Zusammensetzung als auch strukturell nur in geringem Maße.

Wegen diesen monotonen Gesteinszusammensetzungen im Kunene-Komplex mussten sehr detaillierte polarisationsmikroskopische Untersuchungen durchgeführt werden, welche die Ausbildungsform der magmatischen Minerale zum Inhalt hatten, aber auch im Besonderen die sekundären Umwandlungen und Reaktionen der Minerale untereinander. Diese können örtlich unterschiedlich sein und waren deshalb für die Fragestellung von Bedeutung. Daneben variieren aber auch die chemischen Zusammensetzungen der Minerale innerhalb des Komplexes. Aus diesem Grund mussten für den petrographischen Vergleich auch Mikrosondenanalysen der Minerale Olivin und Orthopyroxen, vor allem aber von Plagioklas durchgeführt werden.

Die Untersuchungen zeigten eine fast vollständige Übereinstimmung der miteinander verglichenen Proben mit nur so geringen Variationen, wie sie auch innerhalb eines einzelnen Steinbruches auftreten können. Es wurden somit keine Kriterien gefunden, die eine Herkunft des Plattenmaterials und der Vergleichsproben aus demselben Steinbruch widerlegen würden. Insgesamt konnte somit die Wahrscheinlichkeit, dass das Plattenmaterial und die Vergleichsproben aus dem gleichen Steinbruch stammen, als außerordentlich hoch eingestuft werden.


Zurück